Neu bei Rowohlt: Felix Krakau

Seit Januar 2024 ist Autor und Regisseur Felix Krakau neu im Programm des Rowohlt Theater Verlags – wir freuen uns, ihn und seine Stücke an dieser Stelle vorzustellen.

Foto Felix Krakau (c) Lev Gonopolskiy
© Lev Gonopolskiy

Felix Krakau, geb. 1990 in Hamburg, studierte Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und als Gast Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Preis des Körber Studio Junge Regie, dem 3. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis für Celebration (Florida) sowie Residenzstipendien der Roger-Willemsen-Stiftung, des Hessischen Literaturrats und im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop.

In der Spielzeit 2023/24 laufen seine Stücke Royals (Uraufführung) am Theater Bremen, Showtime (ein enttäuschender Abend) am Schauspiel Essen und am Theater Osnabrück und die Klassiker-Überschreibungen Ödipus und Die Räuber am Düsseldorfer Schauspielhaus (jeweils in eigener Regie). Im April 2024 ist die Uraufführung von Celebration (Florida) am Landestheater Linz (Regie: Mechthild Harnischmacher) sowie die Erstaufführung von Elektra am Volkstheater Wien (Regie: Felix Krakau). In der Spielzeit 2024/25 ist Happy End (keine Garantie) am Rheinischen Landestheater Neuss geplant (Regie: Dirk Schirdewahn). 

DER ADEL
Macht euch auf was gefasst

DER ADEL
Der Adel ist wieder da 

Royals

Vielerorts wurde der Adel abgeschafft, doch die Royals lassen sich nicht so leicht unterkriegen: Sie sind Teil der Popkultur und gesellschaftlicher Debatten, die Beliebtheitswerte sind hoch. Dabei ist die Geschichte des Adels vor allem eine Geschichte der Herrschaft und Gewalt, der Ausbeutung und Unterdrückung. Woher also kommt die Sehnsucht nach Palast, Prunk und Privilegien – nach einer Parallelwelt jenseits der Demokratie? In Royals begibt sich eine königliche Familie in den heiteren Diskurs – und die nächste Krönung steht kurz bevor.

«Eine überaus unterhaltsame Gedankenspielerei, ein Ausloten von Positionen. Der Text ist komponiert wie ein Musikstück ... und changiert zwischen schrulliger Komik und beklemmend ernsten Momenten.» (Weser-Kurier)

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DER UNIVERSALSCHAUSPIELER
Ich will weg von der Rampe.
Weg von der Bühne.
Weg mit dem Fokus.
Weg mit der Aufmerksamkeit.
Weg mit dem Ego.
Weg mit der Karriere.
Weg mit der Repräsentation.
Weg mit der Darstellung.
Einfach weg damit.

Showtime (ein enttäuschender Abend)

Die Weichen waren auf Erfolg gestellt, doch dann: der Hauptcast im Stau, das Orchester im Streik und auch die Deko fällt in sich zusammen. Aber das Publikum sitzt schon fest im Sattel und für eine Absage ist es jetzt zu spät. Wenn alle Stricke gerissen sind, dann klingelt das Telefon von Universalschauspieler David: Wenn nix mehr geht, steigt er ins Taxi und fährt nach Greifswald, Darmstadt oder Ingolstadt, um sich dem Scheitern entgegenzustellen. Doch dieses Mal wird persönlich. David beginnt zu berichten: über Rückschläge, über den Wunsch gesehen zu werden, über die bedingungslose Härte des Kunstbetriebs, über das Nicht-Aufgeben und die zarte Pflanze Hoffnung. 

«Felix Krakau hat eine Reflexion über den Kunstbetrieb geschrieben, die sich einreiht neben Soli wie Der Kontrabass von Patrick Süskind. Und man kann Showtime nur ähnlichen Erfolg wünschen.» (Darmstädter Echo)

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TOWN-MANAGER*IN
Erinnere dich an das Gefühl
richtig zu sein
oder immerhin nicht ganz falsch
den ruhigen Gang der Dinge
erinnere dich an
ja tatsächlich
Frieden
gib diesem Ort einen Namen:
Celebration

Celebration (Florida)

1994 wurde im US-Staat Florida die Stadt Celebration errichtet, geplant und realisiert von der Walt Disney Company. Denn in einer so unvollkommenen Welt wie dieser, muss es doch Städte geben, in denen die Menschen gut und sicher leben können. Und in Celebration ist es schön, ja wirklich schön und ruhig, angenehm ruhig und sauber, aber keinesfalls unangenehm sauber. In Celebration geht’s den Menschen gut. Bis ein Lehrer und seine Familie tot aufgefunden werden und das scheinbar so heile Zusammenleben ins Wanken gerät. Der Dorfjugend fällt die pastellfarbene Decke auf den Kopf und selbst Micky und Minnie beginnen, an ihrer Liebe zu zweifeln. 

Celebration (Florida) ist im Rahmen des Drama Labs der Wiener Wortstaetten 2022 entstanden und wird 2024 mit dem 3. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis ausgezeichnet. 

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ALLE
Wir haben davon geträumt
dieser Welt einen Ruck zu versetzen
einen kleinen
einen sanften Stoß
bis sie eine andere ist
nicht mit Sprengstoff 
oder Gewalt oder sowas
solche sind wir nicht
wir sind die zärtlichsten Gangster der Welt
wir wollen doch nur
dass alles wieder gut wird
das ist doch alles was wir wollen
ist das denn zu viel verlangt

Happy End (keine Garantie)

Endlich wird alles gut ausgehen. Es werden Freundschaften geschlossen und Streits beigelegt, die Tränen werden trocknen und der Meeresspiegel wird sinken, es werden Küsse verteilt und Sünden vergeben, Schulden getilgt und Konzerne enteignet, der Regenwald forstet sich von alleine auf und auch dein Crush aus der Mittelstufe wird sich wieder melden. Niemand muss ins Gefängnis und alle gehen über Los. Denn wo sollte das schon möglich sein, wenn nicht im Theater. Also macht sich ein Trio auf, nimmt das Publikum in Geiselhaft, und hat eine lange Liste mit Forderungen im Gepäck. Doch die Bundesregierung geht nicht ans Telefon, die Gruppe gerät in Streit, und auch der Fluchttunnel gräbt sich langsamer als gedacht. Jetzt heißt es: durchhalten für den guten Zweck! 

«Das glückliche Ende für die Erde und die Menschen wird nicht garantiert, aber Felix Krakau nimmt unsere Sehnsucht ernst. Die drei zärtlichen Geiselnehmer sind Repräsentanten unserer unterkomplexen Wünsche, die an der komplizierten Realität zerschellen müssen.» (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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RÄUBERCHOR
Wir wollen unsere Talente nicht vergeuden
unsere Gaben nicht verwittern lassen
das kann’s noch nicht gewesen sein
voilà, große Welt
voilà, Paris, London, Singapur
voilà, Rausch, Exzess und Schäkereien
voilà, voilà, voilà!

Die Räuber

Felix Krakau verleiht Schillers Erstlingswerk Die Räuber einen heutigen Ton und nimmt dabei nicht den Bruderkonflikt zwischen Karl und Franz von Moor in den Fokus, sondern die Erlebnisse der Räuberbande, die Karl in den böhmischen Wäldern um sich zieht, als er sich (vermeintlich) aus der eigenen Familie verbannt sieht. Die Räuber greifen nicht nur den Tatendrang einer Generation auf, die endlich aufbrechen und verkommene Strukturen überwinden will, sondern stellen sich auch Fragen zur Verantwortung für das eigene Handeln.

«Ein Klassiker, den Felix Krakau auf links gedreht und in die Gegenwart überführt hat … Mit großer Sensibilität verlagert er die Standpunkte der Charaktere von der privaten auf eine allen zugängliche Ebene und fächert die Dynamik innerhalb der Gruppe auf … Lässiger ist die Zeit des Sturm und Drang nicht zu packen.» (Rheinische Post)

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ÖDIPUS
Was doch alles ist, woran man sich klammern kann.
Die Hoffnung, dass sich die Dinge zum Guten wenden,
dass es weitergeht, 
dass man sich geirrt hat,
dass sich alle anderen irren,
dass das alles hier nicht in die Binsen geht

Ödipus

Ödipus gilt als die große tragische Gestalt der Antike und wirkt als Inbegriff menschlicher Hybris bis in die Moderne nach. Felix Krakau erzählt diesen uralten Mythos mal zart-ironisch, mal komisch-ernst als gegenwärtigen tiefenpsychologischen Polit-Thriller und kreist dabei um die Frage, wie schwer Schuld und Scham wiegen, hat doch jegliches Handeln eine politische Dimension, wenn der Fortbestand einer Gemeinschaft gefährdet ist. Wie viel kann man verdrängen, um den Status quo zu wahren?

«Ein wahres Juwel. Felix Krakau nimmt sich die Freiheit, die wohlbekannte Geschichte von Ödipus und seinen Missetaten ganz neu zu erzählen. Dass sich gute Laune mit den niederschmetternden Wahrheiten einer tragischen Erzählung verbinden lässt, ohne je albern und oberflächlich zu werden, ist eine der nicht wenigen überraschenden Erkenntnisse dieses gelungenen Abends.» (Süddeutsche Zeitung)

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Felix Krakau

Felix Krakau

Felix Krakau, geb. 1990 in Hamburg, studierte Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und als Gast Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Stationen am Schauspiel Frankfurt, der Schaubühne Berlin und bei den Salzburger Festspielen. Er arbeitet als Regisseur und Dramatiker u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, Volkstheater Wien, Theater Bremen, Schauspielhaus Wien, Schauspiel Essen sowie an den Staatstheatern Augsburg und Darmstadt. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Preis des Körber Studio Junge Regie, dem 3. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis sowie Residenzstipendien der Roger-Willemsen-Stiftung, des Hessischen Literaturrats und im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop.