«Stark in Szene gesetzt»: Thomas Melles «Haus zur Sonne» uraufgeführt

Am 09.10.2026 war am Schauspiel Hannover die Uraufführung von Thomas Melles Roman «Haus zur Sonne» (Regie: Adrian Figueroa).

Szenenfoto HAUS ZUR SONNE (c) Jörg Brüggemann, Ostkreuz
© Jörg Brüggemann, Ostkreuz

Ich war jetzt frei. Ich hatte mich endlich losgelassen und es zählte nur, dass ich diesen Gedanken festhielt. Ich rannte wie manisch, ohne manisch zu sein. Ich war wieder ich.

«Haus zur Sonne» von Thomas Melle

«Haus zur Sonne ist ein Gedankenexperiment über Depression, Sterbehilfe und die Sehnsucht nach Glück … Es war durchaus ein Wagnis: Suizidgedanken angemessen auf der Bühne zu verhandeln, das ist eine besondere Herausforderung. In Hannover hat es eindrucksvoll funktioniert … Die Todesgedanken, sie werden mit all ihren Hoffnungen und Ängsten hier ernstgenommen und atmosphärisch stark in Szene gesetzt. Dabei stand trotz allem auch die Frage, wofür es sich zu leben lohnt im Mittelpunkt … Ermöglichen wir verzweifelten Menschen ein Leben, das sie wieder leben wollen, oder organisieren wir nur ihren Tod? Thomas Melles Roman jedenfalls lässt am Ende einen Funken Lebensmut aufscheinen.» (NDR Kultur)

«Die rundum gelungene Inszenierung findet für das Sujet stimmige Bilder … Im ‹Haus zur Sonne› entdecken die Figuren ihre tiefen Sehnsüchte … eine sanfte Erotik zieht nach und nach in die Handlung ein. Und schließlich auch eine gar nicht so sanfte Repression. Indem sich diese nicht unsympathische Gemeinschaft immer tiefer in die eigene Wunschwelt verkriecht, tritt der Wunsch zu sterben naturgemäß in den Hintergrund … Das ‹Haus zur Sonne› ist zwar luxuriös, aber wirklich nett geht man hier nicht miteinander um.» (Nachtkritik)

«Alle Figuren hängen auf ähnlich verzweifelte Weise fest, in Endlosschleifen von Verlust und Frustration … Finsterer ist eine Anti-Utopie kaum vorstellbar und wer schon etwas älter ist, mag sich an den Film Soylent Green erinnert fühlen … Thomas Melles Roman ist starker Tobak, und Adrian Figueroa setzt ihn angemessen kalt und in jeder Hinsicht schmerzhaft um, mit beunruhigendem Sound und starkem Lichtdesign … Es gelingt mit einem fabelhaften Ensemble eine zeitgenössische Fallstudie der Verzweiflungen … Das geht unter die Haut, an die Nerven und an die Nieren.» (Deutschlandfunk)

«Leere wechselt sich mit Simulationen und Szenen in den Klinik-Räumen ab ... Adrian Figueroa findet tolle Bilder für und spannende Perspektiven auf die Bühne. Solange, bis sich der Protagonist zur letzten Szene den Lichtstrahlen eines hellen Spiegels ergibt, als flöhe er entweder in die Freiheit – oder in den Tod. Beides ist zwar am Anfang der Geschichte noch deckungsgleich, am Ende aber eben nicht mehr. Welches von beidem er wählt, bleibt offen. Assistierter Suizid ist sicherlich ein Thema, das sich lohnt, auch auf der Theaterbühne oder in der Literatur auseinanderzunehmen – gerade, wenn es psychische Krankheiten betrifft. Ist der Wunsch nach dem Tod ein Symptom der Krankheit oder tatsächlich eine Erlösung für einen ausbehandelten Menschen? Wer kann und darf wann unter welchen Umständen eine Entscheidung für den Tod treffen? Wie viel Leid ist genug? Melles Text versucht, aus einer Innenperspektive, mit diesen vertrackten Fragen umzugehen, auch, indem die Debatte um die abstrakten Themen sprachlich in erdigen Zynismus überführt wird.» (Die deutsche Bühne)

Die nächste Inszenierung von Haus zur Sonne hat – zusammen mit Die Welt im Rücken – im März 2027 Premiere am Deutschen Theater Berlin (Regie: Claudia Bossard).

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