Uraufgeführt: «Die Fische» von Tina Müller nach «Jugend ohne Gott»

«Zwischen Menschlichkeit und Unmoral» (Berliner Morgenpost): Am 07.10.2026 war am Theater Strahl in Berlin die Uraufführung von Tina Müllers «Die Fische» nach Ödön von Horváths «Jugend ohne Gott» (Regie: Max Radestock).

Inszenierungsfoto von "Die Fische"
© Jörg Metzner

Ich hatte nicht vor, hier die Wahrheit zu sagen. Ich wollte schweigen und sagen, dass ich von all dem nichts mitbekommen habe.

«Die Fische» von Tina Müller

«Vor der Katastrophe kommt die Ignoranz. Das vermittelt Müllers Stück sehr plastisch. Und indem sie ihren ‹Fischen› die doppelte Horváth-Ebene einzieht, macht die Autorin klar: Es braucht nicht viel, damit Geschichte sich wiederholt. Die zentralen Motive aus Jugend ohne Gott kehren hier in einer nicht sehr fernen Zukunft zurück ... Dieser Sozialkrimi um Werte und Wehrhaftigkeit [gewinnt] in nur 70 Minuten eine enorme Dringlichkeit. Toll gespielt, mitnehmend inszeniert. Ohne das junge Publikum zu lenken.» (Der Tagesspiegel)

«Eingängig ist das Hin und Her zwischen Menschlichkeit und Unmoral, das Autorin Tina Müller und Regisseur Max Radestock für Die Fische entworfen haben. Und verdienstvoll das Ansetzen dieses Stoffes durch das Theater Strahl: Für Klassen bietet die Inszenierung reichlich Diskussionsstoff. Beklommenheit schwingt beim Besuch allerdings mit: Ist das ein Szenario aus der Vergangenheit – oder aus der nahen Zukunft?» (Berliner Morgenpost)

Uraufführung
07.10.2026 Theater Strahl, Berlin (Regie: Max Radestock) / 24.01.2027 Theater Osnabrück (Regie: Sascha Flocken)
Gemeinsames Auftragswerk für Theater Strahl und Theater Osnabrück/Junges Theater Oskar

Die Fische

Die Zeiten haben sich geändert. Eine neue Regierung ist an der Macht, in den Klassenzimmern wirbt die Bundeswehr dafür, sich frühzeitig für den Kriegsdienst zu melden. Inmitten gesellschaftlichen Gegenwinds versucht «Frau Lehrer», ihren Schüler:innen Werte wie Mitmenschlichkeit, Empathie und Toleranz zu vermitteln – doch mit deren Realität hat das alles nicht viel zu tun. In einem Umfeld, das von ihnen maximale Anpassung verlangt, wirkt der Versuch ihrer Lehrerin, sie zum kritischen Denken und zum Widerspruch zu bewegen, bestenfalls naiv, schlimmstenfalls gefährlich. 

Tina Müllers Überschreibung von Ödön von Horváths Jugend ohne Gott transportiert den Roman aus der frühen NS-Zeit in eine mögliche nahe deutsche Zukunft, in der autoritäre Kräfte bestimmen und Ideale, die früher als selbstverständlich galten, plötzlich einen Preis haben. Wie kann es gelingen, inmitten von Zukunftsangst, Repression und dem allgegenwärtigen Feiern von Stärke und Härte glaubhaft und verlässlich für die eigenen Werte einzustehen und die eigenen Schüler:innen nicht im Stich zu lassen?

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