«Großer Jubel. Großes Theater»: Elfriede Jelineks «Unter Tieren» uraufgeführt

Am 16.08.2026 war bei den Salzburger Festspielen die Uraufführung von Elfriede Jelineks «Unter Tieren» (Regie: Nicolas Stemann), in Koproduktion mit dem Burgtheater Wien, wo der Abend am 04.09. Premiere hat. Die Buchausgabe des Textes ist im Rowohlt Verlag erschienen.

Szenenfoto (c) Arno Declair
© Arno Declair

Tod und Geld, sie sind Geschwister, und sie haben Arschgesichter.

Elfriede Jelinek: «Unter Tieren»

«Am Ende der knapp vier Stunden spendet das begeisterte Publikum stehend Applaus für das fantastische Ensemble und einen Abend, der sich gekonnt zwischen Albernheit und Ernst einpendelt ... Wo Textflächen und postdramatische Mittel sonst oft angestaubt wirken, schwingen sie sich mit den Paradoxien des heutigen Wirtschaftslebens noch einmal zu alter Größe auf. Anknüpfend an ihr Stück Die Kontrakte des Kaufmanns über die Finanzkrise, zeichnet Elfriede Jelinek in Unter Tieren den Weg von den Kreditblasen zu einer Ökonomie der Zerstörung nach. Von den Tieren borgt sie sich dabei den naiven Blick (der Vorwurf der ‹tierpsychologischen Aneignung› wird auch direkt verwurstet). Es ist das Staunen darüber, was aus der Welt geworden ist. Und die bittere Pointe ist, dass wohl kein Tier so leben möchte wie der Mensch heute, aber umgekehrt schon gar nicht, wie die Szenen mit Schlacht- und Nutzvieh zeigen … Großer Jubel. Großes Theater.» (Die Welt)

«Unter Tieren ist eine Litanei der Empörung über die Machenschaften der Superreichen und Big-Tech-Weltzerstörer ... Fuchs, Kuh, Schwein und Hase sagen dem Kapitalismus gute Nacht – und der ganzen menschlichen Zivilisation gleich mit.» (Spiegel Online)

«Eine furiose sprachliche Demontage des Finanzsystems … Unter Tieren ist ein Text, der die erschreckende Allgegenwärtigkeit der Geldströme in unserer Gesellschaft abbildet.» (Deutschlandfunk)

«Elfriede Jelinek nutzt die Tiere in ihrem neuen Stück nicht als Fabelwesen, die uns ein moralisches Exempel geben. Sie sind vielmehr das, was übriggeblieben ist nach den Verwüstungen, die vom Kapitalismus angerichtet worden sind. Und sie sind seine Opfer, waren an ihm nur als Nahrungsmittel und Leidtragendeseiner Umweltkatastrophen beteiligt.» (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

«Seit Die Kontrakte des Kaufmanns hat Jelinek immer wieder über Wirtschaft geschrieben. Dabei ging es auch um konkrete politische Vorgänge und letztlich die Frage ‹whodunnit›. Die gibt es auch hier, doch Unter Tieren wird darüber hinaus zur verzweifelten Prophetie, die keine Zukunft versprechen kann. Sie arbeitet sich am irrationalen Selbstzweck unserer Wirtschaftsweise ab, der ohne Subjekt bleibt und auch nicht mehr nach Kriterien persönlicher Moral bewertet werden kann.» (die tageszeitung)

«Ein Textfluss, in den man irgendwo hineinspringen kann und augenblicklich mitgerissen wird von Jelineks Sarkasmus, ihrem Humor, ihrer Wut … Der Kern des Buches: die Selbstabschaffung der Menschheit durch sich selbst.» (Die Zeit)

«Eine solche Versammlung von Tieren hat es seit der Arche Noah und seit Orwells Animal Farm nicht mehr gegeben ... Abschnitt für Abschnitt, Tier für Tier, Thema für Thema entspinnt sich ein lustvoll spielerisches, aber dabei auch sehr böses Buch.» (NZZ am Sonntag)

«Jelinek überzeugt durch verbale Schärfe und Sprachfertigkeit ... Lohnenswert und ein eindringlicher Weckruf.» (Hörzu)

«Elfriede Jelineks Text zieht eine Bilanz dieser Epoche, in der das Geld zu einer totalen Tatsache geworden ist: zu einem alles durchdringenden Prinzip der Abstrahierung durch Bezifferung. Sie arbeitet dabei mit den Mitteln der Literatur, und lässt sich von der Sprache leiten ... Sie unternimmt einen subversiven Versuch, die ‹Grenzen zwischen Politik, Finanz und Technologie› neu zu ziehen, indem sie Lebewesen eine Stimme gibt, die normalerweise nicht gehört werden ... Aber mit ihren typischen Sprachspielen weist Jelinek der Sprache selber eine oppositionelle Rolle im Kapitalismus zu. Unter Tieren lässt gerade die Funktionssprache lächerlich und leer wirken, und erdet andererseits das Unpersönliche, das Geschraubte der Bankensprache.» (Bert Rebhandl, Der Standard)