«Mitreißend»: Robert Icke inszeniert seine Neufassung von «Ödipus» in München

Am 24.04.2026 war am Residenztheater München die deutschsprachige Erstaufführung von Robert Ickes Neufassung von Sophokles‘ «Ödipus» (Deutsch von Christina Schlögl) in Ickes eigener Regie.

Szenenfoto (c) Birgit Hupfeld
© Birgit Hupfeld

Vielleicht ist es das, was einen davon abhält, einen bestimmten Weg einzuschlagen: die Vorstellung, dass man es fast bis ans Ende schafft, und dann stößt man auf irgendwas Winziges, scheinbar Irrelevantes, das in Wahrheit alles entwertet, was man getan hat, und ihm jede Bedeutung raubt. So wie: Wenn ich wüsste, warum ich etwas tue, wenn ich wüsste, wohin es mich führt, dann würde ich vielleicht nie damit anfangen.

«Ödipus» von Robert Icke

«Ödipus am Residenztheater wird ein Kassenschlager … Robert Icke verlegt das Drama ins Jahr 2026 und macht daraus einen Politthriller … Ein unter Hochspannung stehender Abend … Während auf den Bildschirmen im Wahlkampfbüro die Top-Zwischenergebnisse einlaufen, spitzt sich die Familienkatastrophe im Inneren zu … Wie bei seiner überaus beliebten, ebenfalls radikalen Arthur-Schnitzler-Überschreibung Die Ärztin packt Icke zu diesen Abgründen noch Themen dazu, hier etwa die des Missbrauchs und der schmierigen Inanspruchnahme des weiblichen Körpers durch verschiedene alte Männer … Mitreißend.» (Süddeutsche Zeitung)

«Icke inszeniert zunächst eine serientaugliche Happy-Family-Szenerie. Ödipus schart seine Familie zusammen … Spannungen und Konflikte hinter der Fassade werden sichtbar … Was Icke hier schafft, ist ein tiefes Spiel um den Wert und die Macht der Wahrheit.» (Die deutsche Bühne)

«Wer ins Theater geht, um sich Ödipus anzuschauen, kennt in der Regel die Handlung ... Umso schöner, wenn selbst dieses altbekannte Drama noch für Überraschungsmomente sorgen kann, wie bei Robert Icke am Münchner Residenztheater.» (Die Welt)

«Icke aktualisiert den Mythos stimmig bis ins Detail, ohne dezidiert an aktuelle Politik anzudocken – auch wenn den Assoziationen keine Grenzen gesetzt sind, USA oder Europa, rechts, links, alles ist möglich als Projektionsfläche. In seiner zwischen Hektik und Ruhe stimmig rhythmisierten Inszenierung erlebt man einen in jeder Sekunde spannenden Thriller – und das Psychogramm einer dysfunktionalen Familie. So atemlos auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert hat man das Publikum selten erlebt. Das Konzept ist glasklar in seiner tödlichen Logik und mit überwältigender Stringenz durchgezogen.» (Donaukurier)

«Robert Icke gelang eine Inszenierung von solcher Präzision und Intensität, wie man sie sonst nur bei Jossi Wieler erlebt hat … Ihr psychologischer Realismus wirkt hier, als bewusst ‹konventioneller› Kontrast zur mythischen Ungeheuerlichkeit des Stoffs, wie ein greller Verfremdungseffekt … Ödipus ist nicht nur ein nervenzehrender Polit- und Psychothriller, sondern eine aufwühlende philosophische Reflexion über Wahrheit.» (Münchner Merkur)

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