Sonne / Luft

Sonne / Luft

English
Besetzung

variabel

Die Sonne brennt – und mit ihr brennen Wälder, ganze Landstriche verdorren, während anderswo der Meeresspiegel steigt oder Bäche über ihre Ufer treten und alles überfluten. Die Sonne lacht – und mit ihr freut sich auch die Luft, endlich bald wieder durchatmen zu dürfen, befreit von allem Dreck, mit dem man sie beschwert hat. Lange dachte der Mensch, er könne sie – ebenso wie Erde, Feuer, Wasser – beherrschen, sie unbegrenzt und nach Belieben für sich ausnutzen: eine fatale Hybris. Denn mit heiterer Gelassenheit und gnadenloser Härte schlägt die Natur geballt zurück, rächt sich für das, was ihr seit Urzeiten zugemutet wurde – wobei auch dies Begriffe sind, die sie vermenschlichen und daher erneut verfehlen, weil die Natur, wie sich erweist, das radikal «Andere», Unvertraute und Unverstandene ist.

Ohne dass das Wort «Klimawandel» auch nur einmal fällt, versucht Elfriede Jelinek – erst in einem Monolog, der ganz aus der Sicht der Sonne geschrieben ist, dann in einer vielstimmigen Abhandlung über die Luft – Ordnung in die Elemente zu bringen, «und wenn es das letzte ist, was ich tue». Zwangsläufig landet sie dabei im Chaos, gerät wortmächtig an die Grenzen ihrer Sprache, die «naturgemäß» auch die Grenzen unseres Denkens markiert und den möglichen Weltuntergang kaum fassen kann – dafür aber immerhin das drohende Ende der «Scheusale in Menschengestalt».

Uraufführung
15.12.2022 Schauspielhaus Zürich (Regie: Nicolas Stemann)

Die Aufführungsrechte für Amateur- und Schultheater stehen leider nicht zur Verfügung.

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