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«Und wer macht dann den Dreck weg?» - «In letzter Zeit Wut» von Gerhild Steinbuch am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt.

In den steril sauberen Kellern eines Social Media-Giganten löschen vier Frauen unter Leitung von Teamchef Horst («Flache Hierarchien sind mir wichtig») tagein, tagaus hässliche Bilder aus Social Media Feeds und erschaffen so die erwünschte, nutzerfreundliche Wirklichkeit. Nur lässt sich ihr eigenes Leben leider so gar nicht mit den Bildern einer problemfreien, selbstbestimmten Ralität in Einklang bringen. Bis ihnen eines Tages ein Reality Tool in die Hände fällt, das ihnen vermeintlich ermöglicht, eine Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Szenenfoto der Uraufführung von  «In letzter Zeit Wut» von Gerhild Steinbuch am Schauspiel Frankfurt
© Felix Grünschloß

Die Uraufführung von Gerhild Steinbuchs Auftragswerk war am 12. November 2021 am Schauspiel Frankfurt (Regie: Christina Tscharyiski).

«Man wird ihnen nicht vorwerfen können, dass sie es nicht versucht haben. Durchaus kühn. (Gerhild Steinbuch) spielt mit Gleichberechtigungs- und anderen Miseren auf diversen Realitätsebenen, wirbelt sie herum, schärft sie in knapper Sprache ... Schlägt sich durchaus auf die Seite der Frauen. Aber eine Haltung und einen Reboot ihres Lebens müssen sie sich erst mal leisten können.» (Frankfurter Rundschau)

HORST
Ok
Eure Produktivität ist was mich stolz macht
Deswegen
Schreiben wir die ja überall rein
Und dann nehmen wir eure Gesichter und dann pappen wir die überall hin Website Flyer Social Media Bleistifte Kaffeetassen
So
Und was sagen wir dazu
 
NANCY
Wie wärs mit mehr Gehalt
 
ELLEN
Oder ner Gewerkschaft
 
KIRSTY
Mit bezahlten Fortbildungen
 
ELLEN
Oder richtiger Sozialversicherung
 
REGAN
Oder mit nem Arbeitsumfeld wo ich nicht die ganze Zeit nur kotzen - 

«Make Feminism great again. Bei Aristophanes nehmen die Frauen die Macht an sich und gestalten die Welt, wie sie ihnen gefällt. Das steht ihnen gut an und geht trotzdem nicht gut aus ... Steinbuch entwirft ein Panorama feministischen Kampfgeistes, der von der schlichten Forderung nach Betriebsräten bis zur Vernichtung der holden Männlichkeit reicht. Mit hübschen Pointen, englisch deutschem Zeitgeist und kulturellen Verweisen nach hier und dort klopft sie die antike Vorlage ab ... Doch mit dem Zusammenhalt ist es so eine Sache. Das Zauberwort "Solidarität" bildet gewissermaßen den schlüpfrigen Bodensatz des Stücks ... Alles bleibt amüsant, auch wenn's auf die Frage "Wer macht den Dreck weg?" zuläuft wie in ein offenes Messer.» (nachtkritik.de)

«Irgend so ein Horst kommt ja immer um die Ecke, womöglich sogar ein Vollhorst, der das F-Wort benutzt, von Feminismus schwatzt, aber letztlich doch die patriarchalischen Verhältnisse zementiert ... Dass nicht jede Kommunismus, Kinder oder Karriere will, macht die Sache schwierig - bietet aber statt sauertöpfischer Problemwälzerei die Möglichkeit, Wut und Unglück in bisweilen staubtrockene, treffsichere Komik zu wenden.» (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

In letzter Zeit Wut

Im Maschinenraum eines Social-Media-Giganten sortieren vier Frauen die Bilder aus, die nicht in die erwünschte Wirklichkeit passen: «Tierquälerei, Hakenkreuz, Penisse. Vor allem Penisse.» Hin und wieder kommt ein Horst vorbei, um ihnen das Glück ihres Arbeitsplatzes vor Augen zu führen: Snackautomaten, flache Hierarchien und natürlich Horsts volle Unterstützung. Geteilter Zynismus und schiere Existenzangst halten Ellen, Regan, Nancy und Kirsty bei der Stange, bis ihnen eines Tages der Prototyp eines Tools zur Realitätserzeugung in die Hände fällt. Plötzlich haben sie die Macht über die Wirklichkeit. Euphorisch werfen die vier jede Menge (Frauen-)Bilder auf den Schrotthaufen der Geschichte – aber was soll an deren Stelle treten? Amazonen-Insel, Frauenstaat? Sind das nicht alles bürgerliche Fantasien? Wo kommen neue Bilder her, die sich nicht aus den alten speisen – und wollen die Frauen überhaupt dasselbe?

«Frauen verschaffen sich Zugang zu einer von Männern dominierten Machtposition und verordnen der Welt eine komplette Umgestaltung: Diese Grundidee stammt aus Aristophanes’ Komödie Frauen in der Volksversammlung … Anders als bei Aristophanes stellt sich bei Steinbuch am Ende ernsthaft die Frage, wie wir heute unter dem Diktat des Gegebenen gesellschaftliche Veränderung überhaupt noch denken können. Welche Rolle spielen dabei die Formen, Inhalte und Ausschlüsse bildlicher Repräsentation? Welche Geschichten müssen wir schreiben, welche Bilder erfinden?» (Alexander Leiffheidt im Jahrbuch von Theater heute)

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