Erstaufgeführt: «Morgen ist (vorläufig) immer da» von Iva Brdar

Am 18.01.2026 war am Schauspiel Frankfurt die deutschsprachige Erstaufführung von Iva Brdars Monolog «Morgen ist (vorläufig) immer da» (Übersetzung: Alida Bremer) in der Regie von Vincent Schlarbaum.

Szenenfoto (c) Jessica Schäfer
© Jessica Schäfer

Heute
Schiebst du dein Herz zurück
Mit den Händen
Mit den Füßen
Mit dem Kopf
Du schiebst es unter die Rippen
Du presst es
So viel du kannst
Du klebst
Tesafilm
Über deine Brust
Damit es nie auf die Idee kommt
Dich zu verlassen

Iva Brdar«Morgen ist (vorläufig) immer da»

Die Selbsthilfeseite WikiHow verspricht ihrer Community schnelle und einfache Lösungen für nahezu jedes Problem: Kein Problem kann so groß sein, dass es nicht in wenigen, gut erklärten Schritten gelöst werden kann. Aber kann eine Internetseite auch dabei helfen, sich zu verlieben? Menschliche Nähe herzustellen? Die Protagonistin in Morgen ist (vorläufig) immer da versucht genau das – während sie selbst allein in ihrer Wohnung vor dem Computer sitzt, tippt sie ihre Fragen ein: Wie kommuniziere ich online? Wie erkenne ich, dass ich verliebt bin? Wie lerne ich zu warten? Wie manipuliere ich? Und die Plattform antwortet, gibt Anleitungen für erste Dates, interessante Gesprächsinhalte, optimale Umarmungen und perfekte Spaziergänge. Immer weiter steigert sich die junge Frau in die Ratschläge hinein, die ihr ein Gefühl von Sicherheit im Umgang mit der Welt geben. Doch auf der anderen Seite der virtuellen Perfektion steht die radikale Einsamkeit, das Scheitern am Zwischenmenschlichen und der Moment der Leere, wenn der Computer herunterfährt, der Bildschirm schwarz wird und sich die Idee der großen Liebe im Nichts auflöst.

Indem sie die reale Sehnsucht einer jungen Frau nach echter Nähe in Kontrast zu den skurrilen Tipps von Internetratgebern stellt, schafft Iva Brdar ein ebenso verzweifelt-komisches wie zutiefst melancholisches Bild einer Gesellschaft, die ihr Zentrum sucht und die der Predigt der Selbstperfektion längst verfallen ist.

«Ein facettenreiches Bild von dem entsteht, was den aktuellen Alltag prägt. Was die Zurückgelassene ausspricht, ist es wert, darüber nachzudenken; einiges ist in dieser deutschen Erstaufführung treffend formuliert … Der Eindruck der Überforderung, wie er derzeit das Leben prägt, bleibt.» (Frankfurter Neue Presse)

«Annie Nowak (bringt) den Balanceakt fertig, eine junge Frau zu zeigen, deren ödes Leben im Grunde unsagbar traurig ist, dabei gleichzeitig deutlich macht, dass nichts hier tragisch oder schicksalhaft ist, sondern nur alltäglich, lächerlich, durchschnittlich … Was sich hier eine Stunde lang entfaltet, ist erschreckend wiedererkennbar. Brdars Figur ist ganz echt und dabei doch ein Exempel für die Bewusstseinslage einer Generation, deren Wunsch nach Perfektion, nach dem idealen Beruf und dem idealen Partner durch das Überangebot des Internets einerseits erfüllt werden kann, die aber unentschlossen und untätig bleibt.» (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

«Eine sensible Charakterstudie der Vertreterin einer Generation, die vielleicht doch ein wenig zu sehr online lebt.» (Kölnische Rundschau)

Ich werde es morgen tun, denn man kann alles morgen tun. 

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