Eurodram 2026: Stücke von Ulrike Syha und Sarah Kilter in der Auswahl

Das deutschsprachige Komitee von Eurodram hat seine Auswahl für 2026 bekanntgegeben – wir freuen uns sehr über die Wahl von «Der analoge Mensch» von Ulrike Syha und «Mysteryland» von Sarah Kilter.

Der analoge Mensch

Geplant ist eine hybride Videokonferenz zum Thema «Mensch und Raum», die als Podcast gesendet werden soll. Zur Diskussion versammelt haben sich verschiedene Expert:innen aus Philosophie, Astrophysik oder der Kommunikationswissenschaft. Einige sitzen leibhaftig am selben Tisch, andere sind live per Screen zugeschaltet, aber noch gibt es technische Probleme. Der prominente Bestsellerautor hängt am Flughafen fest und kämpft mit seinem Laptop; die Impulsreferentin hat bisher kein Netz. Ungeduld macht sich breit, und leicht überfordert versucht Torben, der Moderator, das Chaos zu beheben. Allerdings vergrößert es sich nur. Denn nach und nach wird fraglich, ob alle die sind, die sie zu sein vorgeben, oder sich an dem Ort befinden, wo sie sich angeblich aufhalten. Vielleicht sind ein paar nicht einmal echte Menschen? Was ist real, was virtuell? Als sich plötzlich die Tür des fensterlosen Konferenzraums nicht mehr öffnen lässt und man via Bildschirm sieht, wie der Bestsellerautor am Flughafen tätlich angegriffen wird, droht endgültig der Kontrollverlust.

Mit viel Dialogwitz und voll überraschender Plot-Wendungen wirft Ulrike Syha Menschen im digitalen Raum auf ihr analoges Selbst zurück – und spielt dabei auch virtuos mit neuen Möglichkeiten des Theaters.

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Mysteryland

Der Nabel der Welt ist ein Vergnügungspark, mit Hymne und Paraden, mit Maskottchen, Zuckerwatte und einer riesengroßen Achterbahn. Der Nabel ist umgeben vom Rand, und streng bewachte Mauern trennen die Bereiche. Dennoch zieht es natürlich alle in das Zentrum, getrieben von der Sehnsucht nach Vergnügen und Leichtigkeit, auch Sarah Kilters namenlose Heldin «Sie», die in prekären Verhältnissen im Rand lebt. Von dort war schon ihr Vater täglich aufgebrochen, wie so viele andere Väter, um auf der anderen Mauerseite zu arbeiten – bis er eines Tages nicht mehr zurückkehrte. Nun macht «Sie» sich auf den Weg, und weil sie immerhin die Sprache des Nabels beherrscht, findet sie schnell einen leidlich gut bezahlten Job im Grenzschutz. Klaglos schiebt sie Überstunden, läuft die «Extrameile» und schafft es schließlich an ihr Ziel: Sie wird im Park das Maskottchen Flux. Nur das Glücksversprechen löst sich trotz aller Schinderei nicht ein. Und als es bei einem hochoffiziellen Besuch des Rand-Präsidenten beim Nabel-Präsidenten zu laustarken Protesten kommt, lernt «Sie» das wahre Gesicht der schönen bunten Glitzerwelt kennen.

Mal chorisch, mal ganz aus der Sicht von «Sie», mal in schnellen Dialogen erzählt Mysteryland eine fast märchenhafte Aufstiegsgeschichte, die immer wieder unsanft in der sozialen Wirklichkeit landet und die u. a. zeigt, dass Wohlstand unweigerlich ein Preisschild hat.

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