Anthropos, Tyrann (Ödipus)

Anthropos, Tyrann (Ödipus)

Mit Texten der Erdsystemforscherin Antje Boetius

Auszüge aus Sophokles' «König Ödipus», «Ödipus auf Kolonos» und «Antigone» übersetzt von Kurt Steinmann

English
Besetzung

6 Darsteller:innen

In Thebens Umland herrscht Dürre, zugleich steigt der Meeresspiegel. Die Äcker erodieren, Hungersnöte kündigen sich an. Lange haben die Seher dem Volk Wohlstand durch Fortschritt versprochen – jetzt sollen sie gefälligst auch den Weg aus der Krise zeigen. Ein paar Opfer, ein wenig symbolischer Verzicht: Das sollte doch reichen, um weiterleben zu können wie bisher?
Die Klimakatastrophe als lang vorhergesagter Untergang, dem wir trotz oder wegen aller Versuche, ihm zu entkommen, unaufhaltsam entgegengehen, wird in Anthropos, Tyrann (Ödipus) zu einer Tragödie antiken Ausmaßes. Im Theben von Ödipus, dem Rätsellöser und Vatermörder, beginnt der Versuch des Menschen, sich nicht mehr als Teil, sondern als Gestalter von Schicksal und Natur zu begreifen – mit schrecklichen Folgen. Während Volk und Herrscher der nahenden Apokalypse mal hedonistisch, mal fatalistisch, mal mit entschlossener Fortschrittsgläubigkeit begegnen, verhallen die Rufe des Orakels Pythia – und damit die dringlichen Warnungen der Wissenschaft – nach einer sofortigen Systemwende, die nicht den Menschen, sondern die Erde in den Mittelpunkt stellt, ungehört.

«Es geht um die falsche Blindheit des eigentlich Sehenden und die behauptete Ohnmacht des eigentlich Mächtigen … So entwickelt das Ensemble im intensiven Zwiegespräch mit uns und seinem Text ein Suchen nach einem Ausweg, dem sich niemand entziehen kann.» (Berliner Zeitung)
«Ein richtig großer Wurf … Dieser Abend kommt brutal nahe.» (Nachtkritik)

Uraufführung
19.02.2021 Volksbühne Berlin (Regie: Alexander Eisenach)

Stück-Abdruck in Theater heute 06/2021

Die Aufführungsrechte für Amateur- und Schultheater stehen leider nicht zur Verfügung

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