«Wolfwelt» von Gerhild Steinbuch ist nominiert für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2022

Im Rahmen der diesjährigen ARD-Hörspieltage, die vom 11. bis 13.11.2022 in Karlsruhe stattfinden, wird der Deutsche Hörspielpreis der ARD verliehen.

Foto von Gerhild Steinbuch (c) Max Bohm
© Max Bohm

Gerhild Steinbuchs Hörspiel Wolfwelt über nationalistische Gewalt, entstanden als Produktion von Deutschlandfunk Kultur (Regie: Henri Hüster), ist eines von insgesamt 12 Hörspielen der ARD, des Deutschlandradios sowie von ORF und SRF, die bei den ARD-Hörspieltagen um den Deutschen Hörspielpreis der ARD konkurrieren. Über die Vergabe entscheidet eine fünfköpfige Jury unter der Leitung der Vorsitzenden Jenni Zylka. Die Entscheidung über den:die Gewinner:in trifft die Jury in einer nicht-öffentlichen Sitzung. Das prämierte Stück und die Begründung der Jury werden am 12. November bekannt gegeben.

Wolfwelt handelt vom Verschwinden: dem Verschwindenlassen von Geschichte und Verantwortung und dem Verschwindenwollen jener, die sich ausnahmsweise ans Tätersein erinnern. Wölfe ziehen durch eine Welt im Ausnahmezustand, und es ist nicht sicher, ob der Wolf einer ist, der in den Straßen mordet, einer, der mit Prinzenfrisur roh-bürgerliche Reden schwingt, oder einer, der sich in seinen Körper einpanzert, weil er die Angstwelt nicht mehr erträgt.

Vielleicht sind die eigentlichen Wölfe ja auch jene, die sich einheimeln im Flausch und das Erinnern leid sind: Akteure des Gedächtnistheaters, die Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende von 1985 ein bisschen zu wörtlich nehmen und aus dem Glauben an die eigene Befreiung von Täterschaft und Schuld den unbedingten Glauben an die sogenannte Leitkultur ableiten. Mit viel Fantasie, Poesie und scharfem Realitätssinn begegnet Gerhild Steinbuch in einem akustischen Albtraum Formen und Sprache von neuer und gestriger Gewalt in unserer Gesellschaft.

Alle nominierten Hörspiele sind bis zu den Hörspieltagen online abrufbar. Hier geht es zur Playlist.

Gerhild Steinbuch

Gerhild Steinbuch

Gerhild Steinbuch, geboren 1983 in Mödling (Österreich), schreibt Theaterstücke, Libretti, Hörspiele und Essaya und übersetzt aus dem Englischen. Seit 2020 leitet sie das Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Ihre Stücke wurden und werden u.a. am Burgtheater Wien, den Münchner Kammerspielen und der Schaubühne Berlin gezeigt.

Steinbuch studierte Szenisches Schreiben in Graz und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» in Berlin. Für ihr Debütstück kopftot erhielt sie 2003 den Retzhofer Literaturpreis und gewann den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin. Es folgten weitere Preise, Auszeichnungen und Stipendien, u.a. der Reinhard-Priessnitz-Preis  des österreichischen Bundeskanzleramts und der Literaturförderungspreis der Stadt Graz (2005), ein Stipendium der Akademie Schloss Solitude (2007/2008) und der Autorenpreis der Deutsch-Französischen Autorentage (2008 für Menschen in Kindergrößen). Steinbuch war Hausautorin am Schauspielhaus Wien (2008/2009) sowie Teilnehmerin des Autorenstudios am Schauspiel Frankfurt (2014/2015). Ihre Arbeit wurde unter anderem durch das österreichische Staatsstipendium und das Hannsmann-Poethen-Literaturstipendium der Stadt Stuttgart (2016) gefördert. 2022 war ihr Hörspiel Wolfswelt für den Deutschen Hörspielpreis der ARD nominiert. 
Zu ihren Übersetzungen gehören u.a. Stücke von Sivan Ben Yishai, Alice Birch und Chris Bush. 2024 wurde Sivan Ben Yishais Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert in Steinbuchs Übersetzung mit dem Mülheimer Dramatiker:innenpreis ausgezeichnet.

Gerhild Steinbuch ist Co-Initiatorin von DIE VIELEN in Österreich und Gründungsmitglied der Autor:innenallianz HYDRA (ehemals Nazis & Goldmund).