Es ist warm an diesem Freitagabend in Paris. Vielleicht die letzte Gelegenheit, draußen zu sitzen. Eine junge Frau macht sich zurecht, voll gespannter Vorfreude auf ihre Geliebte. Zwillingsschwestern feiern den gemeinsamen Geburtstag. Nach einem Streit mit ihrem Mann geht eine junge Mutter auf ein Konzert – endlich wieder einmal tanzen, sich selbst genießen. Es ist der 13. November 2015. Eine Bombe explodiert während eines Fußballspiels. Auf den Straßen und im Konzertsaal Bataclan schießen Männer mit Maschinengewehren in die Menge. Und plötzlich herrscht der Ausnahmezustand, ist eingetreten, was unvorstellbar schien.
«Gaudé und Khodadadian begehen nicht den Fehler, die Gräueltaten auf der Bühne darzustellen; das könnte nur scheitern. Stattdessen, und das hat eine ungleich mächtigere Wirkung, erzählen die Opfer von den Sekunden, Minuten und Stunden, in denen sie um ihr Leben bangten oder seiner beraubt wurden … Dem Abend gelingt etwas Bemerkenswertes: Obwohl über zwei Stunden lang Furchtbares berichtet wird, ist das Publikum begeistert. Das liegt nicht zuletzt an der Sensibilität der Inszenierung, die auf Kitsch und Pathos vollkommen verzichtet und stattdessen immer wieder kleine Lichtblicke aufscheinen lässt – die die Verluste noch viel schmerzlicher machen» (nachtkritik.de)
«Die Inszenierung ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie ein schwergewichtiger Text konzentriert und kompakt auf die Bühne gebracht werden kann. Die vier Schauspielerinnen und drei Schauspieler … agieren nicht als Solisten. Sondern als kompakte Gruppe, in der jede und jeder gewichtigen Anteil am Geist der Inszenierung trägt. Alles ist bedeutend, alles nimmt mit, alles fordert. Mit großer Konzentration hat Khodadadian gemeinsam mit ihrem Team diese unmenschliche Tragödie voller Menschlichkeit inszeniert. Eine überragende Ensembleleistung … Das Premierenpublikum feierte diesen ganz starken Theaterabend mit kräftigem Beifall. Bravorufe waren zu hören. Als ‹Höhepunkt der Spielzeit› würdigte ein Abonnent schließlich die Inszenierung.» (Göttinger Tageblatt)
«Ein eindrucksvolles, intensives Theatererlebnis, ein Must-See der Saison … Gaudé entwirft ein Stimmengeflecht. Gedanken- und Erzählerstimmen der Menschen in der Stadt … Virtuos verdichtet sich die Furcht, sickert Begreifen in die Köpfe ein. Wir hören die Konzertbesucher. Den Mann, der nach dem Ehestreit zu Hause bleibt, während seine Frau ins Bataclan zieht. Den Inhaber eines Couscous-Lokals, der im Fernsehen die ersten Eilmeldungen sieht. Den Polizisten. Die Eltern, deren Kinder nicht mehr ans Telefon gehen. Den Feuerwehrmann. Den Arzt, der den Verletzten Nummern auf die Stirn schreibt, um zu kategorisieren, wer schnell Hilfe braucht, bei wem es nicht so dringend ist und bei wem es sich nicht mehr lohnt zu helfen … Schon allein die sprachlich wunderschöne Textfassung in der Übersetzung von Margret Millischer ist eine große Freude und eine kraftvolle Säule des Abends. » (Hessisch-Niedersächsische Allgemeine)
«Selten geht ein dramatisches Konzept derart überzeugend auf, wie in dieser Inszenierung. Ohne Abstriche: ein großartiger Theaterabend.» (taz)
Deutschsprachige Erstaufführung
24.10.2026 Deutsches Theater Göttingen (Regie: Schirin Khodadadian) Aus dem Französischen von Margret Millischer
Ab 06. März 2027 ist Paris danach auch am Zimmertheater Tübingen zu sehen (Regie: Thomas Bockelmann).

