Hörspielpremiere: «So ist das» von Jon Fosse im Norddeutschen Rundfunk

Am 21.12.2022 läuft im Norddeutschen Rundfunk die Ursendung von Jon Fosses Monolog «So ist das», für den er mit dem Ibsenpreis 2021 ausgezeichnet wurde.

Autorenfoto Jon Fosse (c) Tom A. Kolstadt / Det Norske Samlaget
© Tom A. Kolstadt / Det Norske Samlaget

In ‹So ist das› treffen große existenzielle Themen auf das konkrete und physische Ende eines Menschenlebens. Die ewige extreme Einsamkeit und die unmittelbare Erfahrung des Todes vereinen sich in einem formvollendeten, reinen und klaren Text, der immer wieder auch von zartem, warmherzigem Humor durchzogen ist. ‹So ist das› hat eine große Kraft und ist in Rhythmus, Sprache und Ton meisterhaft präzise.

(Jury-Begründung für den Ibsen-Preis 2021)

Das Hörspiel mit Christian Redl (Regie: Giuseppe Maio) läuft um 20 Uhr im Norddeutschen Rundfunk und ist im Anschluss bis zum 20.06.2024 u. a. in der ARD-Audiothek abrufbar – hier entlang.

So ist das

So ist das, wenn man alt und gebrechlich ist: Jedes Erwachen gleicht einer Auferstehung von den Toten. Die Glieder schmerzen, und allein sich im Bett aufzurichten ist eine Qual. Aus Gewohnheit betet der greise Maler, dessen morgendlichen Gedankenstrom Jon Fosse protokolliert, zwar das Vaterunser, aber welchen Sinn das haben soll, ist ihm mittlerweile unklar. Nach drei gescheiterten Ehen und mehreren Kindern, die ihn schon lange nicht mehr besuchen, ist ihm nur sein Werk geblieben. Doch obwohl seine Bilder in wichtigen Museen hängen, bedeuten sie ihm heute nichts mehr – die obsessive Arbeit an ihnen hat bloß dazu geführt, dass er sein Leben irgendwie verpasst, vergeudet hat, und zur Umkehr ist es nun zu spät. Trotzdem: Jammern hilft nichts, dazu ist das Ganze letztlich auch zu lächerlich. Also hievt sich der Mann von der Bettkante zum Gehstock, dann zum Rollator, dann zum Rollstuhl und nimmt einen neuen Tag in Angriff, der jedoch sein letzter sein wird.

Für seinen Monolog wurde Jon Fosse mit dem Ibsenpreis 2021 ausgezeichnet. Aus der Begründung der Jury: «In So ist das treffen große existenzielle Themen auf das konkrete und physische Ende eines Menschenlebens. Die ewige extreme Einsamkeit und die unmittelbare Erfahrung des Todes vereinen sich in einem formvollendeten, reinen und klaren Text, der immer wieder auch von zartem, warmherzigem Humor durchzogen ist. So ist das hat eine große Kraft und ist in Rhythmus, Sprache und Ton meisterhaft präzise.»

Zum Stück

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Fosse

Jon Fosse

Jon Fosse, geboren 1959 in der norwegischen Küstenstadt Haugesund, wuchs am Hardangerfjord auf. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Bergen und war anschließend Dozent an der Akademie für kreatives Schreiben in Hordaland. Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet er als freier Schriftsteller und lebt heute in Bergen, Oslo und Hainburg an der Donau/Österreich.
1983 erschien sein erster Roman Raudt, svart [Rot, schwarz] , seither gefolgt von weiteren Romanen, Gedichten, Essays, Libretti und Kinderbüchern. 1994 wurde mit Og aldri skal vi skiljast [Und trennen werden wir uns nie] erstmals ein Theaterstück von ihm aufgeführt.

Prosa- und Lyrikwerke von Jon Fosse in deutscher Übersetzung:
Von Kötern, Kläffern und feinen Hundedamen (Kinderbuch, Carlsen Verlag, 1998), Melancholie (Melancholia I & II) (Roman, Kindler Verlag, 2001), Morgen und Abend (Roman, Alexander Fest Verlag, 2001), Das ist Alise (Novelle, marebuchverlag, 2003), Schwester (Kinderbuch, Bajazzo Verlag, 2006), Schlaflos (Novelle, Rowohlt, 2008), Diese unerklärliche Stille (Gedichte, Verlag Kleinheinrich, 2015), Trilogie (Roman, Rowohlt, 2016), Der andere Name (Hepalogie I - II) (Roman, Rowohlt, 2019), Ich ist ein anderer (Heptalogie III - V) (Roman, Rowohlt, 2022).

Preise und Auszeichnungen (Auswahl):

  • Melsom-Preis und Sunnmøre-Preis, beide 1996, für Melancholia I & II
  • Ibsen-Preis 1996 für Der Name
  • Nordischer Dramatikerpreis 2000 für Sommertag
  • “Nestroy” als Bester Autor 2000 für Der Name
  • Melsom-Preis 2001 für Morgen und Abend
  • Bester ausländischer Dramatiker des Jahres 2002 (Kritikerumfrage von Theater heute)
  • Skandinavischer Nationaltheaterpreis 2002 für Todesvariationen
  • Skandinavischer Nationaltheaterpreis 2003 für sein dramatisches Gesamtwerk
  • Ehrenpreis des Norwegischen Kulturrats 2003
  • Norwegischer Armanda-Ehrenpreis 2003
  • Chevalier de l’Ordre National du Mérite 2003
  • Sanct Olavs Orden 2005 für sein literarisches Werk
  • Anders Jahres Kulturpreis 2006
  • Deutscher Jugendliteraturpreis 2007 für Schwester
  • Nordischer Preis der Schwedischen Akademie 2007
  • Internationaler Ibsen-Preis 2010
  • Europäischer Preis für Literatur 2014
  • Literaturpreis des Nordischen Rates 2015 für Trilogie (die wichtigste Auszeichnung für skandinavische Literatur)
  • Willy-Brandt-Preis 2016
  • Internationaler Poesiepreis der Stadt Münster 2017 (gemeinsam mit Jon Fosses deutschem Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel)
  • Ibsen-Preis 2021 für So ist das
  • 2021 Ehrendoktorwürde der Janáček-Akademie für Musik und Darstellende Kunst Brünn/Brno, Tschechien
  • Brage-Preis 2021 für den letzten Band der Heptalogie (Ein neuer Name, Heptalogie VI - VII).
  • Seit Mai 2011 genießt Jon Fosse lebenslanges Wohnrecht in der »Grotte«, einer Ehrenwohnung des norwegischen Staates am Osloer Schlosspark.


Verfilmungen, Bearbeitungen, Opernlibretti (Auswahl):

Die Nacht singt ihre Lieder (Kinoverfilmung des gleichnamigen Theaterstücks, Regie: Romuald Karmakar; 2004).

Melancholie (Oper basierend auf dem gleichnamigen Roman, Komposition: Georg Friedrich Haas, Libretto: Jon Fosse, Uraufführung: 09.06.2008 Opéra National de Paris, Regie: Stanislas Nordey).

Sommertag (Kammermusiktheater von Nikolaus Brass, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück, Uraufführung: 12.05.2015 Münchener Biennale/Schwere Reiter, Regie: Christian Marten-Molnár – weitere Produktionen bisher: 13.02.2018 Staatsoper Unter den Linden/Neue Werkstatt, Berlin, Regie: Eva-Maria Weiss).

Morgen und Abend (Oper basierend auf dem gleichnamigen Roman, Komposition: Georg Friedrich Haas, Libretto: Jon Fosse, Uraufführung: 13.11.2015 Royal Opera Covent Garden, London, Regie: Graham Vick, in Koproduktion mit der Deutschen Oper Berlin – Premiere dort: 29.04.2016).

Sleepless (Oper basierend auf Trilogie (Schlaflos), Komposition: Peter Eötvös, Libretto: Mari Mezei, Uraufführung: 28.11.2021 Staatsoper Unter den Linden, Berlin, Regie: Kornél Mundruczó)