Phädra rückwärts

(Phaedra Backwards)
Deutsch von Patricia Benecke
6D / 5H

Es beginnt mit dem bekannten Ende: Hippolytus stirbt. Diesmal jedoch nimmt Phädra die Nachricht vom Tod ihres Stiefsohns, mit dem sie eine kurze Liaison hatte, seltsam gleichgültig entgegen. Und auch Theseus, Hippolytus’ Vater und Phädras Mann, gerät nicht außer sich. Für ihn wie für Phädra ist das Leben reich an Toten gewesen, eine gewisse Abgeklärtheit hat sich bei ihnen eingestellt, und um die Gründe dafür zu erhellen, schwenkt Marina Carr in ihrer Neufassung des antiken Mythos auf dessen weniger bekannte Vorgeschichte zurück. Schon Phädras Mutter Pasiphae wurde von Minos, ihrem Mann, ermordet, nachdem sie sich mit dem weißen Stier gepaart und den Minotaurus, halb Mensch, halb Tier, geboren hatte. Später wird es Theseus sein, der den Minotaurus sowie Ariadne, Phädras Schwester, umbringt, bevor er Phädra heiratet. In Phädra rückwärts feiern nun all diese Opfer gespenstisch Wiederauferstehung – zuerst als verklärte Kindheitserinnerung, dann als sorgfältig Verdrängtes und schließlich als leibhaftige Rückkehr einer ungesühnten Schuld. Was anfangs wirkt wie eine finstere Salonkomödie, bevölkert von zynisch-gelangweilten Wohlstandsbürgern und angesiedelt in einem zeit- und ortlosen Überall, wächst sich zu einem archaischen Albtraum aus.

Marina Carr

Marina Carr

Marina Carr (*1964, aufgewachsen in Tullamore/Irland) studierte in Dublin Englisch und Philosophie. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin und Schriftstellerin ein Jahr lang in New York. 1989 debütierte sie mit Ullaloo als Dramatikerin. Nach dem ...

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U: 18.10.2011 McCarter Theatre, Princeton (Regie: Emily Mann)

DSE: 01.03.2013 Staatstheater Darmstadt (Regie: Patricia Benecke)