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»Siegfried« von Zaimoglu / Senkel in Bayreuth: »Ein Rausch«

10.09.2019 – Am 13.08. war im Rahmen der Bayreuther Festspiele die Uraufführung von Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Monolog Siegfried (Regie: Philipp Preuss).

1914, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, muss Siegfried Wagner, Sohn von Richard und Cosima und mittlerweile Herr über Bayreuth, Wege finden, die Festspiele vor dem drohenden Bankrott zu retten. 1930, kurz vor seinem Tod, zieht er Bilanz: So erfolgreich er geschäftlich war, so angeekelt ist er von der zunehmenden Ideologisierung des Erbes seines Vaters, die besonders seine Frau Winifred vorangetrieben hat.

»Zwischen Heldentum und Homosexualität, Antisemitismus und Philanthropie, Kunstwollen und innerfamiliärer Gefangenschaft« (Nachtkritik) porträtieren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel einen Mann, dessen schillerndes Privatleben untrennbar verknüpft war mit den politischen Umwälzungen des frühen 20. Jahrhunderts, vom Kaiserreich über das Scheitern der Weimarer Republik bis zum Aufstieg Adolf Hitlers.

»Siegfried ist ein fiktives Selbstgespräch, amalgamiert aus kernig stilisierter Rede, Originaldichtung sowie veröffentlichten Briefen, das den Konformismus, aber auch die Widerständigkeit und Güte dieses unheroischen Helden an zwei Schicksalsmomenten für ihn und für sein Land vergegenwärtigt und zur berührenden Tragikfarce wird.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Man amüsiert sich prächtig in diesem Gruselkabinett aus zwischenmenschlichem Versagen. Was auch daran liegt, dass Zaimoglu/Senkel ihrem Titelhelden nicht mit dem Zeigefinger hinterher gestochert haben, sondern ihn als eine gebrochene Figur zeigen, mit großer Empathie.« (Der Tagesspiegel)

»Nicht in jeder Sekunde weiß man, worum es gerade geht, aber das spielt keine Rolle, denn entscheidend ist der emotionale Abdruck vom Bild eines Zerrissenen in zerrissenen Zeiten … Ein notwendiger, erhellender Rausch.« (Süddeutsche Zeitung)

Portrait von Feridun Zaimoglu

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