10​/09

Theresia Walser »Die Empörten« in Salzburg uraufgeführt

10.09.2019

Am 18. August war bei den Salzburger Festspielen in Koproduktion mit dem Staatstheater Stuttgart die Uraufführung von Theresia Walsers Die Empörten (Regie: Burkhard C. Kosminski):

»Eine schwarze Satire aus der ländlichen Mitte Deutschlands. « (die tageszeitung)

Ein Mann rast mit seinem Wagen in eine Menschenmenge. Der Fahrer stirbt, und es gibt einen weiteren Toten. War das Ganze ein tragischer Unfall? Ein erweiterter Suizid? Ein Amoklauf? Ein islamistischer Terroranschlag? »Allahu Akbar« hat der Täter angeblich geschrien, aber das »schreien ja heute alle«, und das Opfer war ein Muslim. Entsetzen und Empörung sind gewaltig, nicht nur in Irbertsheim, dem Ort des Geschehens, sondern landesweit, zumal in Bälde Wahlen anstehen. Einzig Irbertsheims Bürgermeisterin Corinna Schaad weiß, dass der Schuldige ausgerechnet ihr eigener Halbbruder ist. Da nun ihre Karriere auf dem Spiel steht, hat sie dessen Leiche heimlich ins Rathaus geschafft und versteckt sie dort in einer Truhe, während nebenan die nationale Trauerfeier vorbereitet wird. Auf der will auch Corinnas schärfste Gegnerin, die Rechtspopulistin Elsa Lerchenberg, ihre übliche Rede gegen die Gefahr der »Überfremdung« halten. Ein Kampf um die Deutungshoheit beginnt, in dem die Toten lediglich als Projektionsfläche von Ängsten dienen, als Waffen in einem ideologischen Grabenkrieg aller gegen alle. Corinna merkt, dass sie – selbst nicht ganz uneigennützig – »Erdbebenspalten« zusammenhalten muss, die die Demokratie in ganz Europa zu zerreißen drohen.

»Für Theresia Walser ist das der Konflikt-Nährboden, aus dem sie Die Empörten zu einer schwarzhumorigen, bisweilen surrealen Politkrimi-Komödie raffiniert hochgezüchtet hat … Kein Mensch, keine Meinung, keine Weltanschauung ist so, wie es der erste Eindruck glauben macht … Das ist sehr klug und dabei sehr witzig und überhaupt nicht zeigefingernd.« (Münchner Merkur)

»Die Empörten gründet auf einer klassischen Komödiensituation: der Beseitigung einer Leiche in einer Truhe … Das Stück ist voller Wortwitz, Kalauer, politisch inkorrekter Sprüche und Ausbrüche. « (Süddeutsche Zeitung)

»Das Hauptsächliche dieses Textes, der vielschichtig wirkt, aber leichtfüßig daherkommt, ist die Politiksatire und die gallige Komödie … Walser macht den Zerfall der Identitäten und der Sprache sichtbar. « (Die Presse)

»Walser spricht in ihrem sprachgewaltigen Stück niemanden frei, also auch uns nicht: Wir haben alle eine Leiche im Keller. Was für ein Lehrstück. So muss Theater sein!« (Südkurier)

»Theresia Walser baut ihr Stück geschickt so absurd wie möglich auf … Sie traut sich die auf Vorurteilen und Vereinfachungen tänzelnde Farce. Sie stürzt nicht ab, sie ist mutig.« (Die Welt)

»Theresia Walser geht mit satirischem Sprachwitz dorthin, wo es wehtut … Sie führt vor, wie jeder bei einem Ereignis, von dem er keine Ahnung hat, sein Süppchen kochen will …  Der Text recycelt Phrasenmüll aus dem Politalltag, aber er entlarvt ihn, indem er ihn mit skurrilem Humor ins Groteske steigert.« (Schwäbische Post)

«In Die Empörten entsteht das ziemlich diffuse Bild einer hoffnungslosen Gesellschaft. Vielleicht trifft Walser aber genau damit die globale Verwirrung in unseren Städten. Die Dialoge in Die Empörten sind jedenfalls brillant, die Rollen dankbar.« (Die deutsche Bühne)