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»Zeitgemäße Interpretation« – »Überwältigung« von Thomas Melle uraufgeführt

15.07.2019 – Bei den Nibelungen-Festspielen in Worms wurde am 12. Juli Überwältigung von Thomas Melle in der Regie von Lilja Rupprecht uraufgeführt.

Es beginnt mit dem bekannten Ende: dem Blutbad zwischen Hunnen und Burgunden am Hof von König Etzel. Kriemhild ermordet ihren Bruder, König Gunther; als Rache erdrosselt Hagen Kriemhilds Sohn Ortlieb. Doch plötzlich begehren die Toten auf. Ortlieb weigert sich zu sterben und fordert aus der Nachwelt seine Vorfahren zu einer anderen, besseren Zukunft auf. Vielleicht ist man ja einfach irgendwo falsch abgebogen, vielleicht ist Versöhnung nach wie vor möglich? Noch einmal kehren also die Figuren an ihren Anfang zurück, schmieden erneut Bündnisse, üben Verrat und spielen dabei gegen ihre eigene Geschichte an, die zwar nie »alternativlos« ist, aber trotzdem in die immer gleiche Katastrophe führt.

»Überwältigung lässt ordentlich die Luft raus aus dem Pathos des Nibelungenlieds. Nicht Schicksal oder höhere Macht führen zu den fatalen Fehlentscheidungen, sondern gesellschaftliche und zwischenmenschliche Strukturen.« (Nachtkritik)

»Melle erzählt die Nibelungensage aus postapokalyptischer Perspektive neu. Entschieden nicht als tragische Monumentalgruselstory, sondern als Farce.« (Spiegel online)

»Wir sehen hier Menschen, die in sich selbst gefangen sind und nicht aus sich herauskönnen … modern und zeitgemäß.« (Deutschlandfunk Kultur)

»Thomas Melle hat einen klugen, ebenso sprachwitzigen wie sprachmächtigen Text geschrieben, der den Mythos auf ganz eigene Weise packt, aufgeladen mit den Ängsten und Zukunftsfragen von heute.« (Süddeutsche Zeitung)