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Cate Blanchett spielt Botho Strauß

28.11.2011 – Am 19. November war an der Sydney Theatre Company die umjubelte Premiere von Botho Strauß’ Stück Groß und klein, neu ins Englische übersetzt von Martin Crimp, mit Cate Blanchett in der Hauptrolle und in der Regie von Benedict Andrews.

„Cate Blanchett gelingt die mutigste und überraschendste Leistung ihrer Karriere in der Rolle Lottes, der Hauptfigur von Botho Strauß’ episodischer Studie einer Frau, die sich von ihrem Mann ebenso entfremdet hat wie von ihrer Familie und der Welt insgesamt ... Ist Lotte schizophren? Ein auf die Erde gefallener Engel? In Blanchetts Darstellung wird sie zu einer Art heutiger heiliger Närrin: jemand, der die Maske des Toren und das Kostüm der Verrücktheit trägt, uns allen dabei aber den Spiegel der Wahrheit vorhält.“ (The Sydney Morning Herald)

„Blanchett macht Lottes schmerzhafte, zerrissene Suche nach Erlösung in Botho Strauß’ Stück fast körperlich erfahrbar – und zugleich zu einem wunderbaren Erlebnis ... Strauß’ Groß und klein entstand Ende der 1970er Jahre und erzählt auch von einer gespaltenen Gesellschaft – ein Thema, das sich mühelos auf das Gefühl der Isolation in unserer modernen, technologisierten Welt übertragen lässt. Dank Strauß’ abstrakter Erzählweise und seiner elliptischen Sprache, unterstützt von Martin Crimps klug und behutsam aktualisierender Übersetzung, verliert das Stück nichts von seiner Gültigkeit, ohne dass die Schauspieler BlackBerry’s zücken oder über E-Mails reden müssen.“ (Variety)

Groß und klein blickt in die Abgründe einer zerbrechenden Welt ... Sprachwitz und absurde Situationskomik wechseln mit plötzlichen Momenten größter Seelenqual. Blanchett spielt Lotte, diese bemitleidenswerte, mehr und mehr verwirrte und gleichzeitig zutiefst unschuldige Figur, in einer Mischung aus Verletzlichkeit und Leuchtkraft, dass es einem das Herz bricht.“ (The Australian)

„Die meisten Dramatiker konzentrieren sich auf die wenigen spektakulären Wendepunkte in der Biographie einer Figur und lassen das banale Alltagsleben unter den Tisch fallen. Botho Strauß tut in Groß und klein das Gegenteil: Unaufdringlich zeigt er beiläufige Szenen und zufällige Begegnungen, die obendrein auf den ersten Blick unverbunden bleiben, eine durchgehende Geschichte scheint sich nicht zu formen. Das könnte langweilig sein, erfüllt jedoch in Strauß’ konsequenter Erzähl-Verweigerung und in Benedict Andrews atemberaubender Inszenierung mit Bravour eine der wichtigsten Aufgaben von Kunst: uns einen neuen, unverstellten Blick auf uns selbst und unser Umfeld zu ermöglichen ... Groß und klein ist Theater von einer Qualität und Kraft, wie man sie sehr selten erlebt.” (Time Out Sydney)

Im Frühjahr 2012 kommt die Inszenierung nach Europa und wird bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen, den Wiener Festwochen, am Théâtre de la Ville Paris sowie am Londoner Barbican zu sehen sein.