Wie Mücken im Licht

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Mai 1918, Wien: In den letzten Wochen der Donaumonarchie schreibt ein junger Kommunist mit Kohle an die Wand seiner Gefängniszelle. Juli 1989, Bratislava: Am Vorabend der Samtenen Revolution verfasst ein Mann Briefe an seine in den Westen geflohene Frau. In Form von Wetterberichten beschreibt er sein untergehendes Land – bis er die absichtsvoll nicht ganz unmerkliche Überwachung jedes seiner Schritte nicht mehr erträgt. Wien heute, keine Revolution: Ein Jugendlicher macht seinen Geschwistern Frühstück, klaut im Supermarkt, irrt durch die Stadt. Sein Weg ist anhand seiner elektronischen Spuren lückenlos nachvollziehbar, nicht aber, warum er im Laufe des Tages ein Mädchen zusammenschlägt. "Was bringt Menschen dazu, sich zur Wehr zu setzen? Wann bringt ein repressiver Staat Widerstand hervor, und gibt es einen solchen überhaupt, wenn keine Feindbilder existieren? … Mich mit Geschichte zu befassen, hat nichts mit Vergangenheit zu tun, sondern mit einer Auflösung und Wiederholbarkeit von Zeit. Ich kann Dinge zu Hilfe nehmen, die bereits besser analysiert sind. Seltsamerweise fällt das Heute immer am ratlosesten aus … Eine Form von Widerstand ist vielleicht, Figuren im Widerstand zu erfinden." (Anne Habermehl)

Anne Habermehl

Anne Habermehl

Anne Habermehl, geboren 1981 in Heilbronn, studierte von 2004 bis 2008 Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihre Stücke wurden u. a. am Thalia Theater Hamburg, am Bayerischen Staatsschauspiel München und am Theater Chemnitz...

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U: 09.10.2013 Schauspielhaus Wien (Regie: Anne Habermehl)

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