Harry Lime lebt! Und das in diesem Licht!

1D / 2H

Die kriegszerstörte Stadt versinkt in Finsternis. Zugleich fließen viel Geld und Strom in ihre Ausleuchtung als Kulisse. Ein Film wird gedreht, von dessen Bildern das Image der Stadt jahrzehntelang profitieren wird – auch wenn (oder gerade weil?) dabei vieles neuerlich ins Dunkel rückt oder absichtlich geschwärzt wird. Die Rede ist von Wien und dem Noir-Klassiker Der dritte Mann: ein Thriller, der einerseits von der sozialen Verantwortung des Individuums in Krisenzeiten handelt, andererseits ziemlich bald zum Marketingtool der Tourismusindustrie mutiert. Höchste Zeit also für eine Neubelichtung. Drei junge Menschen, eine Art Terrorgang in nahtlos wechselnden Rollen und Konstellationen, richten die Scheinwerfer auf jene blinden Flecken, die der Film unfreiwillig hinterlassen hat und die niemand gerne sehen möchte. Von seiner chaotischen Entstehungsgeschichte bis zu seinem Jubiläum 60 Jahre später unterziehen sie als praktizierende Randgänger des Kinos „den Dritten Mann einer theatralischen, schattenreichen Relektüre, ein paar teuflische Remake-Ideen inklusive ... Es geht um theoretische Überlegungen zur Filmrezeption wie das unkontrollierte Ineinandergreifen von Fiktion, Geschichte und Gedächtnis ... Harry Lime lebt! ist ein leichter, verspielter Abend, der dort interessant wird, wo das (historische) Erzählen seine Sinnbildung hinterfragt.” (Der Standard)

Jörg Albrecht

Jörg Albrecht

Jörg Albrecht, 1981 in Bonn geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet, studierte Komparatistik, Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft in Bochum und Wien. Er lebt heute als freier Autor in Berlin und promoviert zurzeit über Abbrüche in...

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U: 23.01.2010 Schauspielhaus Wien (Regie: Jan-Christoph Gockel)