Die blauen Augen von Terence Hill

1D / 3H

Spätrömische Dekadenz droht ein Loch in die bürgerliche Mitte des Sozialstaates zu fressen. Das Ruder herumreißen kann da nur noch ein Spaghetti-Western, und so drehen dessen Superstars von einst, Bud Spencer und Terence Hill, in den Pappmaché-Kulissen eines Freizeitparks für Arbeitslose noch einmal einen neuen Film – Arbeitstitel: «Hartzen für ein Halleluja». Und wie in den 1970er Jahren, als sich Gut und Böse noch klar trennen ließen, gilt für den Plot das Motto: prügeln, saufen, Bohnen fressen! Schlagfertig machen sich Spencer und Hill daran, großen Schurken und fiesen Bürokraten das Handwerk zu legen. «Dem Standard von sozialverträglicher Unterversorgung und Überproduktion setzen sie den Entwurf einer ganz anderen Welt entgegen. Kann man das überhaupt: nicht arbeiten, sich selbst aushalten, ohne Mehrwert? Unsere H4 World ist offen für solidarische Tricksereien und nachhaltige Verschwendung, für arkadisches Nichtstun und eine rastlos flexible Sozia­li­tät. Bud Spencers wirbelnde Fäuste machen es vor. In einer Zeit, in der nur die verschwenden dürfen, die schon immer zu viel hatten, werfen Spencer und Hill virtuos alles über den Haufen. Aber sind die Western-Helden noch dagegen, oder ist ihr parasitäres Joint Venture von Superarm und Superreich bloß eine weitere Säule der neoliberal-flexiblen Wirtschaftsordnung?» (copy & waste)
Dem Irrsinn des Turbo-Kapitalismus begegnet Jörg Albrecht mit einer überbordenden Turbo-Komödie, in der vier Himmelhunde, falsch: Schauspieler, auf dem Weg zur Hölle sind.

Jörg Albrecht

Jörg Albrecht

Jörg Albrecht, 1981 in Bonn geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet, studierte Komparatistik, Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft in Bochum und Wien. Er lebt heute als freier Autor in Berlin und promoviert zurzeit über Abbrüche in...

alle Stücke von Jörg Albrecht

Textbuch anfordern

Bitte melden Sie sich an. Wenn Sie noch keine Zugangsberechtigung haben, können Sie sich hier registrieren.

U: 12.10.2011 Hebbel am Ufer / HAU, Berlin, in Koproduktion mit dem steirischen herbst, Theaterhaus Jena und uniT, Graz (Regie: Steffen Klewar)