Dannys und Helens romantisches Abendessen wird jäh unterbrochen, als Helens Bruder Liam blutüberströmt ins Zimmer platzt. Nicht sein Blut, sagt er. Auf der Straße sei ein Junge niedergestochen worden, er habe ihm bloß geholfen.

Danny will die Polizei rufen. Helen hindert ihn daran. Schließlich ist Liam vorbestraft, da ist es besser, keine Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Danny lässt sich überreden, seinen Schwager zu schützen und ahnt nicht, in welch fatales Geflecht aus Halbwahrheiten, Lügen und Liebe er sich damit verstrickt.

Liam beginnt, sich zu widersprechen. Mehr und mehr entpuppt sich der angebliche Helfer selbst als Täter. Dennoch bleibt er Helens einziger Bruder, für den sie sich verantwortlich fühlt, seit ihre Eltern starben – jedenfalls weit mehr als für einen Wildfremden draußen, wahrscheinlich Araber, „irgend so einen … Typ, den wir gar nicht kennen“. Und
auch von Danny verlangt sie, für seine Familie einzustehen, über alle Prinzipien von Recht und Gesetz hinaus.

Waisen ist „weniger ein Krimi als eine Erkundung der Ängste und Loyalitäten, die uns dazu bringen, zu tun, was wir nicht tun sollten. Sowie die schmerzhafte Überprüfung, wie leicht unsere moralischen Grundwerte korrumpiert werden.“ (The Guardian)

„Wessen Blut an Liam klebt und warum, hält einen bis zum Schluss in Atem. Von einem Satz zum nächsten rinnt die eben etablierte Wahrheit dem Protagonistentrio quecksilbrig durch die Finger, war es doch nicht ganz so, wie erst erzählt. Unaufhaltsam bewegt sich der Abend auf sein zappendusteres Ende zu … (Kelly) spannt … ein Netz soziopolitischer Fragen, das stetig an Komplexität gewinnt.“ (Theater heute)

1D - 2H
Deutsch von John Birke