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Tugsal Moguls »Auch Deutsche unter den Opfern« uraufgeführt

27.04.2015 – Tugsal Moguls Stück Auch Deutsche unter den Opfern hatte im Januar 2015 in der Regie des Autors am Theater Münster Uraufführung und ist u. a. zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen.

Mogul hat »die möglicherweise komprimierteste Recherchearbeit über den NSU-Fall unternommen. Was er hier an Begebenheiten und Fakten zusammengetragen hat, zieht einem wahrlich die Schuhe aus, denn es zeigt nicht nur die Pannen, sondern auch regelrechte Sabotageakte bei den Ermittlungen: zwielichtige Ermittler beim Verfassungsschutz, hochkriminelle rechtsradikale V-Männer, die mit dem für ihre 'Dienste' erhaltenen Geld ihre Organisationen erst so richtig aufbauen konnten, die Verhinderung der Ermittlungen in der Naziszene und die Vernichtung wichtiger Akten, den beschämenden Umgang mit den Angehörigen der Opfer. Moguls realitätsgesättigtes Informationsknäuel ist geschickt verknotet, mal wechseln seine drei Sprecherstimmen rasch, als würden sie Informationen zusammentragen, dann gibt es wieder längere Erzählpassagen, oder einzelne Ereignisse (wie Zeugenbefragungen) werden szenisch nachgestellt … Inszenatorisch setzt Mogul auf Überforderung … Sprecherpositionen werden rasant gewechselt, Ermittler, Täter, Opfer, Politiker, Zeuge, jeder ist jeder … Insgesamt sind die medialen Brechungen und ironischen Verfremdungen ein gekonnter Zug, sie wirken dem Betroffenheitsreflex entgegen und stellen zugleich die Unerhörtheit des Geschehens aus … Auch der Zuschauerraum schnappt nach Luft: Diese Faktenfülle ist schlichtweg erdrückend.« (Theater Heute)

»Ein packendes Rechercheprojekt … Mogul hat den laufenden NSU-Prozess in München besucht, mit Rechtsanwälten, Journalisten und Prozessbeobachtern gesprochen und daraus ein dichtes, mit Fakten angefülltes Stück geschrieben, mit dem Tenor: Hier wurde absichtlich in die falsche Richtung ermittelt. Die verbissene Haltung, die Täter im türkisch-kurdischen Mafia-Milieu zu suchen, gar Angehörige der Opfer zu verdächtigen, um ja nicht in die rechte Ecke schauen zu müssen, hat etwas Absurdes. Entsprechend konfrontiert Tugsal Mogul sein Publikum nicht nur mit grausigen Details, sondern überspitzt Szenen auch ins märchenhaft Satirische, was dem Stück eine mitunter befreiende Komik verleiht … Schockierend wirken Momente, die den beklemmenden Eindruck hinterlassen, dass die rechtsextreme Szene in Deutschland weitaus größer ist, als der zähe NSU-Prozess vermittelt … Ein aufwühlendes, mutiges Stück, das lange nachwirkt.« (Westfälische Nachrichten)