28.11.2011 – Elfriede Jelineks auf einer Übersetzung von Karin Rausch basierende Neufassung von Oscar Wildes Komödie Der ideale Mann wurde am Burgtheater (Akademietheater) Wien in der Regie von Barbara Frey erstaufgeführt, demnächst gefolgt von der Schweizer Erstaufführung am Schauspielhaus Zürich.
Wildes Stück „vereint den funkelnden Wortwitz der Salonkomödie mit einem politischen Sittenbild, das nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat“ (Die Welt).
In drei „überraschend kurzweiligen Stunden“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) „gelingt Jelinek großes Theater, das in Österreich spielt, aber überall seinen Platz hätte. Die aktuellste Frage im Textbuch: ‚Wie konntest du dich bloß für Geld verkaufen?’ Und die aktuellste Antwort: ‚Wofür denn sonst?’“ (Süddeutsche Zeitung).
Es „sprießen üppig Stilblüten und andere fleurs de rhétorique, aufgepfropft auf den genialen Ibsen-Labiche-Verschnitt des Originals ... Es hat etwas unglaublich Erheiterndes, (die Schauspieler) auf dem Eisfeld des höheren Blödsinns fröhlich herumschlittern zu sehen“ (Neue Zürcher Zeitung).
Es „ist bemerkenswert, wie gut Jelineks Kalauerkunst in einer so possierlichen, dabei aber reichlich Gift sprühenden und grausamen Komödie aufblüht ... Ihre fallenartig zuschnappende Sprache, in der sich die Bedeutungen der Wörter jeweils noch im Munde verdrehen, macht dieser an der Oberfläche ganz klassischen Schwingtür-Inszenierung Feuer ... Die ineinander verschachtelten und momenthaft sich völlig ungeniert dekuvrierenden Scheinwelten sind das Grandiose dieser Komödie“ (Der Standard).
Elfriede Jelinek hat „das Sprachfeuerwerk Oscar Wildes noch einmal um fünfzig Prozent gesteigert, das heißt mit eigenen lustigen und verblüffenden Einfällen angereichert ... Wilde, der in seinem Stück so ganz nebenbei den gesamten Kapitalismus durchbuchstabiert – da hat man zwischen allem Lachen plötzlich das System verstanden –, eignet sich für dieses Vorhaben hervorragend ... Durch einen genialen Trick ist Jelinek aber noch mehr gelungen als Wilde, hat sie etwas Zusätzliches geleistet: Sie lässt Sir Robert Chiltern erst mal quälende zwanzig Minuten lang jenes verwirrende und verschleiernde Bankenchinesisch plappern – über future bonds, bad banks, swops, derivates und so weiter –, ehe die Handlung als die ganz normale, simple Bestechung von Politikern geoutet wird, die sie immer war und immer sein wird“ (Joachim Lottmann, taz.de).