10.10.2011 – Das Wasser ist an Land gekommen, eine gewaltige Flutwelle hat alles mit sich fortgerissen. Energie wurde geraubt: Eine Anlage ist ausgefallen oder hat sich automatisch abgeschaltet. Nur noch ohrenbetäubende Stille erfüllt die Luft, ein Lärm, der die Welt lautlos unter sich begräbt, jedes Gehör taub macht, einem kollektiven Tinnitus gleich. Etwas hat sich grundlegend verändert – aber was? Etwas, das der Mensch erschuf, hat sich unumkehrbar gegen ihn gewandt, und das Licht, das früher auf ihn schien, muss er nun selbst abstrahlen, bläulich leuchtend aus den Knochen seines Körpers ...
Ohne dass die Worte Fukushima oder Atomkraft fallen, ist Kein Licht. ein Geisterszenario nach dem Super-GAU, ein Beckett-haftes Endspiel, das abrechnet mit unserem bedingungslosen Glauben an die Beherrschbarkeit der Technik und in dem die Schreie der totgeschwiegenen Opfer gespenstisch widerhallen.
Kein Licht. entstand auf Anregung des Schauspiels Köln und wurde dort am 30. September 2011 in der Regie von Karin Beier uraufgeführt.
Presse:
„Elfriede Jelinek hat ein grandioses Wort-Requiem verfertigt, aus ihren altbewährten, mittlerweile ungemein verfeinerten Stilelementen eine bachsche Fuge strengster Konsequenz komponiert. Die Melodien künden von Trauer, Verzweiflung, von Hohn und leisem Aberwitz als Antwort auf die lautstarke Brutalität der Geschichte.“ (Die Welt)
„(Man darf) vom Theater, erst recht von einer Autorin wie Jelinek, nun einmal nicht erwarten, dass sie die Dinge simpler machen, als sie sind. Und am Ende ist es sowieso nur die eine große Frage: Wie gehen wir um mit unserem Schicksal, unserem menschen- und naturgemachten Elend, das wir nicht denken und nur schwer verarbeiten können?“ (Die Zeit)